Archiv für die Kategorie „Kündigungsschutz“

Die sogenannte “Wirtschaftskrise” als Denkmantel massiven Stellenabbaus

“Unternehmen sind keine Wohltäter” – lassen liberale Ökonomen gerne öffentlich verlauten. Wer sich aber mal veranschaulichen will, wie extrem die DAX-Konzerne die sogenannte “Wirtschaftskrise” dazu ausgenutzt haben, um damit massiven Stellenabbau zu rechtfertigen, der mag sich diese Tabelle ansehen, staunen und selber urteilen.

Mehr als 100.000 Jobs gestrichen

Vor allem aufgrund solcher Effekte waren trotz der Wirtschaftskrise bei 13 der 30 DAX-Unternehmen nach jüngsten Angaben mehr Menschen unter Vertrag als im September 2008. Doch in der Summe bauten die Großkonzerne massiv Stellen ab. Bereinigt um größere Zu- und Verkäufe summiert sich das Minus bei den 30 Unternehmen auf 115.000 bis 125.000 Mitarbeiter binnen eines Jahres.

Ich halte es für sehr fragwürdig, dass manche verirrten Ökonomen und sakrosante Wirtschaftsheilige angesichts solcher Fakten überhaupt noch die Lockerung des Kündigungsschutzes propagieren.

Mitarbeiter der DAX-Konzerne 2008 und 2009 im Vergleich

Konzern Mitarbeiter am 30. September 2008* Mitarbeiter am 30. September 2009*
Adidas 37.485 39.524
Allianz 182.171 154.302
BASF 96.695 105.858
Bayer 108.600 108.800
Beiersdorf 21.732 21.436
BMW 103.850 98.358
Commerzbank 42.893 66.002
Daimler 275.535 256.857
Deutsche Bank 81.308 78.530
Deutsche Börse 3.366 3.585
Deutsche Post 458.062 435.450
Deutsche Telekom 230.079 259.973
E.On 93.134 90.418
Fresenius SE 121.288 129.218
darunter: Fresenius Medical Care 67.342 70.775
Henkel 57.157 50.948
Infineon 41.343 26.464
K+S 12.323 12.378
Linde 51.171 48.312
Lufthansa 109.401 118.945
MAN 52.660 48.621
Merck 32.458 32.832
Metro 253.769 248.858
Münchener Rück 43.814 47.462
RWE 65.440 70.990
Salzgitter 26.026 25.684
SAP 51.970 47.810
Siemens 428.000 409.000**
ThyssenKrupp 199.374 187.495
Volkswagen 373.409 367.050
GESAMT 3.654.513 3.591.160

* Konzernangaben aus den jeweiligen Quartals- oder Geschäftsberichten
** Angaben Stand 30. Juni

Quelle: Tagesthemen.de

Kündigungsschutz lockern?! – Der Frikadellenfall

Angesichts solcher charakterlosen Entgleisungen wird eines klar: Wenn wir den Kündigungsschutz noch weiter lockern, gibt es in Zukunft wohl auch keine Entschuldigungsbriefe mehr, na dann…Papier sparen und Regenwald retten. Die dpa, GMX und Spiegel.de berichten von einem Kündigungsfall der kulinarischen Art und Weise. Nach 34 Jahren wurde eine Sekretärin aufgrund des Genusses einer Frikadelle entlassen; sie hätte auch schon öfter mal an einem Imbiss der eigentlich für Konferenzteilnehmer gedacht ist, genascht. Dies stelle einen “irreparablen Vertrauensverlust” dar, der es Hermann Schulte-Hiltrop (Geschäftsführer) gänzlich verwehrt, weiterhin mit seiner Sekretärin zusammen zu arbeiten. Schulte-Hiltrop gibt ebenfalls an, dass er von vorhergehenden illegalen Naschübergriffen auf Firmeneigentum gewusst habe.

Mir stellt sich nun die Frage, wie Schulte-Hiltrop sein Vertrauen weiter aufrecht erhalten konnte, wenn er in der Vergangenheit schon von solchen vertrauensschädigenden Unternehmungen seiner Angestellten gewusst hat? Hätte er seiner Sekretärin dann nicht schon viel früher kündigen müssen? Waren die damaligen genaschten Portionen vielleicht zu klein, um einen Vertrauensbruch, wie dieses mal, akut auszulösen?

Der Geschäftsführer behauptete auch, dass es nicht das erste Mal gewesen sei, dass die Sekretärin von einem Imbiss genascht hatte, der eigentlich für Teilnehmer von Konferenzen gedacht war. Daher empfinde er es als gerechtfertigt, das Arbeitsverhältnis zu beenden: “Wir werden das jetzt auf dem Vergleichswege lösen, aber zurücknehmen kann ich das nicht. Das wäre mit einer Abmahnung zu schwach, das muss man einfach mal so sehen”, sagte der Geschäftsführer zu “stern.de”.

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