Archiv für die Kategorie „Arbeit“

ELENA 2010

Es ist soweit, ELENA hat die Bühne betreten. Das Publikum jubelt. Alle sind zufrieden. Eine neue Supernova am Datenschutzfirmament. Meiner Meinung nach sollten sich alle Berufstätigen darüber informieren. Wer mehr über den elektronischen Einkommensnachweis wissen will, sollte den folgenden Artikel, der eine sehr gute Einführung darstellt, lesen und sich kritisch mit dem Thema auseinandersetzen.

ELENA steht für den elektronischen Entgeltnachweis und beschreibt ein Gesetz, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie als »wichtiger Meilenstein zum Abbau bestehender Bürokratie« bezeichnet wird. Was sich nach einer sinnvollen Innovation anhört, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als eine Vorratsdatenspeicherung in einem neuen Bereich in bisher unerreichten Dimensionen. Außerdem soll durch ELENA die elektronische Signatur etabliert werden, da diese für die Anwendung des Verfahrens unerlässlich ist.

Mit dem Beginn des Jahres 2010 müssen Arbeitgeber in Deutschland monatlich die Einkommensnachweise der bei ihnen angestellten Beschäftigten, Beamten, Richter oder Soldaten zur Speicherung an eine zentrale Sammelstelle übermitteln. Dabei wird zusätzlich eine Vielzahl anderer personenbezogener Daten erhoben, die bei Bedarf verschiedenen Behörden zur Verfügung gestellt werden.

Den ganzen Artikel gibt es entweder auf der Homepage der Piratenpartei Deutschland oder Sie können Diesen Beitrag weiterlesen »

Die sogenannte “Wirtschaftskrise” als Denkmantel massiven Stellenabbaus

“Unternehmen sind keine Wohltäter” – lassen liberale Ökonomen gerne öffentlich verlauten. Wer sich aber mal veranschaulichen will, wie extrem die DAX-Konzerne die sogenannte “Wirtschaftskrise” dazu ausgenutzt haben, um damit massiven Stellenabbau zu rechtfertigen, der mag sich diese Tabelle ansehen, staunen und selber urteilen.

Mehr als 100.000 Jobs gestrichen

Vor allem aufgrund solcher Effekte waren trotz der Wirtschaftskrise bei 13 der 30 DAX-Unternehmen nach jüngsten Angaben mehr Menschen unter Vertrag als im September 2008. Doch in der Summe bauten die Großkonzerne massiv Stellen ab. Bereinigt um größere Zu- und Verkäufe summiert sich das Minus bei den 30 Unternehmen auf 115.000 bis 125.000 Mitarbeiter binnen eines Jahres.

Ich halte es für sehr fragwürdig, dass manche verirrten Ökonomen und sakrosante Wirtschaftsheilige angesichts solcher Fakten überhaupt noch die Lockerung des Kündigungsschutzes propagieren.

Mitarbeiter der DAX-Konzerne 2008 und 2009 im Vergleich

Konzern Mitarbeiter am 30. September 2008* Mitarbeiter am 30. September 2009*
Adidas 37.485 39.524
Allianz 182.171 154.302
BASF 96.695 105.858
Bayer 108.600 108.800
Beiersdorf 21.732 21.436
BMW 103.850 98.358
Commerzbank 42.893 66.002
Daimler 275.535 256.857
Deutsche Bank 81.308 78.530
Deutsche Börse 3.366 3.585
Deutsche Post 458.062 435.450
Deutsche Telekom 230.079 259.973
E.On 93.134 90.418
Fresenius SE 121.288 129.218
darunter: Fresenius Medical Care 67.342 70.775
Henkel 57.157 50.948
Infineon 41.343 26.464
K+S 12.323 12.378
Linde 51.171 48.312
Lufthansa 109.401 118.945
MAN 52.660 48.621
Merck 32.458 32.832
Metro 253.769 248.858
Münchener Rück 43.814 47.462
RWE 65.440 70.990
Salzgitter 26.026 25.684
SAP 51.970 47.810
Siemens 428.000 409.000**
ThyssenKrupp 199.374 187.495
Volkswagen 373.409 367.050
GESAMT 3.654.513 3.591.160

* Konzernangaben aus den jeweiligen Quartals- oder Geschäftsberichten
** Angaben Stand 30. Juni

Quelle: Tagesthemen.de

Selbstmordwelle bei France Télécom UPDATE

Nachdem man die Sache zunächst nicht ernst genommen hatte, denkt die Konzernspitze nach 25 Suiziden letztendlich doch noch darüber nach Maßnahmen zu ergreifen. Das ein Fragenkatalog allerdings der richtige Schritt ist, wage ich zu bezweifeln. Immerhin kann er anonym ausgefüllt werden, immerhin… zumindest stellt es einen Anfang dar – das dieser aber erst nach derart vielen Suiziden angegangen wird, ist absolut inakzeptabel und unverständlich. Einerseits könnte es bedeuten, dass man in den Führungsetagen des Konzernsnicht die geringste Ahnung von seinen Angestellten hat oder aber, das diese bisher eben einfach ignoriert wurden.

“Wir müssen unbedingt aus dieser teuflischen Spirale herauskommen, um die Welle der Selbstmorde zu stoppen.”

Selbstmordwellen stoppt man wohl heutzutage mit Fragebögen und anonymen Papier…

Kündigungsschutz lockern?! – Der Frikadellenfall

Angesichts solcher charakterlosen Entgleisungen wird eines klar: Wenn wir den Kündigungsschutz noch weiter lockern, gibt es in Zukunft wohl auch keine Entschuldigungsbriefe mehr, na dann…Papier sparen und Regenwald retten. Die dpa, GMX und Spiegel.de berichten von einem Kündigungsfall der kulinarischen Art und Weise. Nach 34 Jahren wurde eine Sekretärin aufgrund des Genusses einer Frikadelle entlassen; sie hätte auch schon öfter mal an einem Imbiss der eigentlich für Konferenzteilnehmer gedacht ist, genascht. Dies stelle einen “irreparablen Vertrauensverlust” dar, der es Hermann Schulte-Hiltrop (Geschäftsführer) gänzlich verwehrt, weiterhin mit seiner Sekretärin zusammen zu arbeiten. Schulte-Hiltrop gibt ebenfalls an, dass er von vorhergehenden illegalen Naschübergriffen auf Firmeneigentum gewusst habe.

Mir stellt sich nun die Frage, wie Schulte-Hiltrop sein Vertrauen weiter aufrecht erhalten konnte, wenn er in der Vergangenheit schon von solchen vertrauensschädigenden Unternehmungen seiner Angestellten gewusst hat? Hätte er seiner Sekretärin dann nicht schon viel früher kündigen müssen? Waren die damaligen genaschten Portionen vielleicht zu klein, um einen Vertrauensbruch, wie dieses mal, akut auszulösen?

Der Geschäftsführer behauptete auch, dass es nicht das erste Mal gewesen sei, dass die Sekretärin von einem Imbiss genascht hatte, der eigentlich für Teilnehmer von Konferenzen gedacht war. Daher empfinde er es als gerechtfertigt, das Arbeitsverhältnis zu beenden: “Wir werden das jetzt auf dem Vergleichswege lösen, aber zurücknehmen kann ich das nicht. Das wäre mit einer Abmahnung zu schwach, das muss man einfach mal so sehen”, sagte der Geschäftsführer zu “stern.de”.

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Suizide bei France Télécom UPDATE

Onlinekosten.de berichtet:

Suizide bei France Télécom: Wenes ausgewechselt

Nach einer Serie von zwei Dutzend Selbstmorden bei France Télécom hat der Konzern die Nummer zwei in der Führungsetage ausgewechselt. Stéphane Richard (47) sei zum beigeordneten Generaldirektor ernannt worden, teilte France Télécom am Montag in Paris mit.

Möglicher Nachfolger für Lombard

Er rücke damit an die Stelle von Louis-Pierre Wenes, der um seine Ablösung gebeten habe. Richard gilt als möglicher Nachfolger für Konzernchef Didier Lombard, der wegen der Selbstmordserie in Folge der Umstrukturierung erheblich unter Druck gekommen ist. Nach Gewerkschaftsangaben haben sich seit Februar 2008 zwei Dutzend Beschäftigte das Leben genommen. Mehrere nannten in Abschiedsbriefen die Arbeitsbedingungen als Motiv.

Richard war von 2007 bis 2009 Kabinettsdirektor von Wirtschaftsministerin Christine Lagarde und steht Präsident Nicolas Sarkozy nahe. Er soll gute Drähte zu den Gewerkschaften haben. Lagarde hatte Konzernchef Lombard ihr Vertrauen ausgesprochen, ihn aber aufgefordert, etwas gegen die Selbstmordserie zu unternehmen. Das Online-Magazin Mediapart veröffentlichte kürzlich ein Video, das zeigt, wie sich Lombard in einer internen Ansprache flapsig über angeblich unterbeschäftigte Mitarbeiter äußert. In den vergangenen Jahren wurden bei France Télécom 22.000 Stellen gestrichen. Mehrere tausend Mitarbeiter mussten ihren Arbeitsplatz wechseln.

Diese Information stammt von Saskia Brintrup / dpa.

Selbstmordserie bei France Télécom

Onlinekosten.de hat schon mehrfach über die Vorfälle in Frankreich berichtet, nun gibt es wieder ein “Opfer”. Man kann natürlich sagen, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Selbstmord und der beruflichen Situation des Mannes gibt und man kann auch sagen, dass alle anderen Selbstmorde (zwei Dutzend) auch nichts damit zu tun haben. Vielleicht handelt es sich hier ja um ein kommunales Phänomen, vielleicht aber auch nicht.

Selbstmordserie bei France Télécom geht weiter

Die Serie von Selbstmorden unter Mitarbeitern des französischen Telekommunikationskonzern France Télécom reißt nicht ab. Ein 51 Jahre alter Beschäftigter in einem Callcenter stürzte sich am Montag bei Annecy von einer Brücke in den Tod.

Arbeitsklima als Grund

In einem Abschiedsbrief habe der Familienvater das Arbeitsklima in dem Konzern als Motiv für die Tat genannt, berichtete der französische Radiosender France Info. Nach Gewerkschaftsangaben nahmen sich in den vergangenen eineinhalb Jahren rund zwei Dutzend Télécom-Beschäftigte das Leben.

Die Arbeitnehmervertreter gehen davon aus, dass ein Teil der Selbstmorde direkt auf die Arbeitsbedingungen und den Konzernumbau zurückzuführen ist. In den vergangenen Jahren wurden 22.000 Stellen gestrichen und 7.000 Mitarbeiter versetzt. Sogar die Regierung schaltete sich schon ein. Sie forderte die Unternehmensleitung zum Dialog mit den Mitarbeitern auf. Künftig sollen die Betriebsärzte – soweit es die Schweigepflicht erlaubt – psychisch labile Mitarbeiter melden.

Die Information kommt vom dpa / Hayo Lücke.